BenennungJohanna Dombois |
Datum der letzten Änderung13.05.2022 10:56:39 |
© 2026 |
WerkstoffRegie|>Oper|>Neues Musiktheater |
Datum der letzten Ansicht30.08.2026 08:03:53 |
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Dabei, wer denkt noch ans www, sobald es um neues Musiktheater geht? Wer spricht in der Avantgarde-Debatte von den Grenzgängen des allerneuesten Musiktheaters, das nicht bloß der neuen Medien sich annimmt, sondern selbst als neues, interaktives Medium vortritt? So abwegig scheint dies für Internet und Cyberstage projektierte Musiktheater doch gar nicht zu sein. Schon der Computer, als Heimstatt virtueller Auftritte, gleicht ja einem Theater ungemein. Seine Bauart scheint der Proszenium-Bühne abgeschaut – zwei Flanken, dazwischen eine durchsichtige Wand und drumherum in einem Gehäuse die technischen Schrittmacher. Außerdem ist man im Musiktheater längst mit der Mattscheibe befreundet worden. War der Fernseher auf der Bühne der 80er das Standardrequisit, waren TV-Opern, live-Übertragungen von Opernevents, dann Web-Präsentationen der Opernhäuser nichts Befremdliches, so ist nun die Bühne umgekehrt einfach hinter den Bildschirm des PC's gerückt, und wir sind bei der Internet-Oper.
Bislang gibt es nur eine Handvoll. Den ersten Anlauf lieferte ›Honoria in ciberspazio‹, eine 1995-99 entworfene und von George Oldziey musikalisch gebändigte »net-opera«, die mit dem Anspruch auftrat, »to transform the dreams of lonely Internet travelers into a sexy operatic climax.« Jeder user konnte sich da mit Rede- und Tonbeiträgen in die Szenerie einschreiben. Zwar blieb das Projekt mit Erfindungen wie »electronic desire« und »humanoid clones« so unein- wie zweideutig, doch die Vorgaben sind klar. Es geht um »collaborative opera« – eine Umschreibung der ›Interaktion‹, womit die freie Beteiligung des Zuschauers gemeint ist, der via Tastatur im virtuellen Bühnenraum tätig wird. 1996 folgte die ›Brain Opera‹ von Tod Machover, ein »Sound-, Image- und Netzenvironment«, dessen Hyperinstrumente gestatteten, on-line/ live mit Klängen zu experimentieren. Wie man postulierte, eine »journey into the users own mind«.
Damit freilich verschiebt sich Einiges. Die Dichotomie etwa von Schein und Sein. Auch der Glaubenssatz, dass man dem Theaterbesucher eine fremde Geschichte geben müsse, damit er die eigene begucken kann. Bezeichnend, dass in der ›virtopera‹ (2000-01) von Eberhard Schoener der Protagonist Cold Genius, der ausschließlich aus Interneteingaben besteht, auf die Suche nach der Seele geschickt wird, die er als digitale Hülle selbst nicht haben kann. Das ähnelt einer Verkehrung der Fronten. Ein Figurant, der nichts ist und hat und durch Zuschauerinput alles wird. Der Descart'sche Maschinenmann durch seelenvolle Gemeinschaftstat schließlich ein Parsifal? ...
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