Benennung

Johanna Dombois

Datum der letzten Änderung

13.05.2022 10:56:39

©

2026

Werkstoff

Regie|>Oper|>Neues Musiktheater

Datum der letzten Ansicht

29.08.2026 05:02:02

Blatt

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Leseprobe:

Johanna Dombois: Prima materia. Erschienen unter: Künstlers Lieblingsfarbe. In: Die Deutsche Bühne. 74. Jg., Heft 2, 2003, S. 34.

»Hosenkauf ist immer eine Tragödie gewesen«, sagt Peymann zu Bernhard in ›Claus Peymann kauft sich eine Hose‹, worauf Bernhard festhält, dass die Peymannsche Hose keine Blue Jeans sein dürfe und nur dem italienischen Schnitt folgen könne und dass sie von Zegna zu sein habe, womit er wesentliches, aber nicht alles gesagt hat. Ganz außer Acht geraten ist, dass die infragekommende Hose, um so gut zu passen wie ein »passender Shakespeare«, eigentlich auch nur eine einzige Farbe haben dürfte: schwarz müsste sie sein, um wirklich den Zusammenhang zwischen Peymann und Tragödie zu stiften.

Warum das so ist, kann man sich am echten Peymann vergegenwärtigen. Der nämlich kleidet sich immer in Schwarz, ob für Pressekonferenz, Probe oder Titelfoto, und genau besehen tun das auch viele andere, die fürs Theater arbeiten, das beginnt in den Theaterschulen und endet bei Handke, Zehelein, Wilson. Selbst der Berliner Kultursenator trägt schwarz, womit er, wie wir hoffen, ein Zugehörigkeitsgefühl zu dem herstellt, was er tut.

Schwarze Kleidung ist folglich im Theater eine Art Zunfttracht. Ob bewusst oder unbewusst entspricht das Habit hier einem ästhetischen Bekenntnis, das eine Parabel auf Theaterleben und Soziologie der Kleidung schreibt. Notwendig wird in der Welt der Verkleidungen die eigene Haut selber zum Statement, und im Gegensatz zum herkömmlichen Alltagskleid, das nur wärmen oder modisch relevant sein muss, ist der schwarze Rolli des Theatermanns deshalb auch eine Form des Theaterkostüms. Denn das Theaterkostüm ist ein Kleidergenre, das deshalb maßgeschneidert wird, weil es eine Überzeugung darzustellen hat.

Insofern ist es streitbar, dass bislang keine Kostümgeschichte so weit gegangen ist, den semantischen Anspruch an das Theaterkostüm auf die Kleidung derer rückzuspiegeln, die es erfinden. Dabei wirkt gerade ein schwarzes Hemd unter schwarzem Sakko, die Standardkombi für Theaterleute, trotz aller Verwässerung der Kleidernormen noch immer ›anders‹, und wer es trägt, der gehört eindeutig irgendwo dazu. Nur wozu? ...

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