Benennung

Johanna Dombois

Datum der letzten Änderung

13.05.2022 10:56:40

©

2026

Werkstoff

Regie|>Oper|>Neues Musiktheater

Datum der letzten Ansicht

30.08.2026 06:31:44

Blatt

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Leseprobe:

Johanna Dombois: Kunst auf der Bühne. In: Die Deutsche Bühne. 78. Jg., Heft 08, 2007, S. 69-70.

Gemessen an dem, was sie zu leisten haben, sind Ausstellungskataloge im Idealfall mehr und weniger als ein Buch: mehr, weil sie über den Text hinaus mehrerlei Medien zur Darstellung bringen, weniger, weil sie diese dokumentarisch abstützen und sättigen müssen. Dem Band ›Kunst auf der Bühne‹ der gleichnamigen Ausstellung, die letztes Jahr im Salzburger Museum der Moderne gezeigt wurde, ist diese Doppeleinheit gelungen. Mit dem zweiten Teil der ambitionierten Trilogie ›Les Grands Spectacles‹ haben sich der neue Museumsdirektor Toni Stoss und die Kuratorinnen Eleonora Louis und Elisabeth Kamenicek die Re-Präsentation der Wechselbeziehung zwischen Bildender Kunst und Bühne im 20. Jahrhundert vorgenommen.

Das Schlagwort ›Kunst auf der Bühne‹ ruft zunächst eine kleine Verwirrung hervor. Es suggeriert, daß Theaterarbeit per se keine autonome Kunst sei und sich zu dieser verhalte wie die Amme zur Prinzipalin. In seinem Vorwort jedoch erklärt Stoss, daß es um ein Desiderat geht: Die »kulturelle Identität Salzburgs« werde fast ausschließlich mit Musik und Musiktheater identifiziert, die Arbeit von Malern und Plastikern dagegen bliebe »eklatant im Hintertreffen«. Insofern läßt sich der Fokus auf visuelle Phänomene als durchweg produktive Unterlassungssünde bezeichnen. Begreift man all die kinetischen, rhythmischen oder elektrischen Experimente der Theateravantgarden als Versuche, die Bühnenkunst als »optisches Erlebnis zu analysieren und erneuern« (Louis), so ist es richtig, gerade das Prinzip des Bildnerischen als gemeinsamen Fluchtpunkt zu veranschlagen.

›Raum‹ und ›Bewegung‹ stellen denn auch die Kernbereiche des Katalogs dar. Einer kuratorischen Einführung sind in lockerer chronologischer Folge eine Reihe von Fachartikeln nachgeordnet, die sich anhand exzellenter Fallbeispiele um die Themenkomplexe Tanz, Mechanisierung/ Medialisierung, Marionette/ Puppe/ künstlicher Mensch kümmern. Letzteres widerspricht der Dynamisierung des Raumes nur oberflächlich: Die Stilisierung performativer Bewegungen ging bei Mejercholds Biomechanik, Craigs Übermarionette, Dubuffets ›Coucou Bazar‹ oder Calders ›La Cirque‹ mit einer Erforschung der Mechanik des Körpers einher.

Bleibender Eindruck vor allem, daß neben dem Bekannten stets auch das Vernachlässigte, neben dem Totaltheater von Gropius etwa das Kugeltheater Andor Weiningers, neben Schlemmer auch dessen begabtester Schüler Xanti Schawinsky, ansonsten Heinrichs Macks und Adolf Luthers Szenographien für den ›Tristan‹, Fortunato Deperos futuristische Plastikfigurinen, die Broadway-Choreographien Busby Berkeleys, Jörg Immendorffs Bühnenbildmodelle ihr historisches Recht bekommen.

Gelegentlich macht sich in den Artikeln eine Diskrepanz zwischen Stil und Thesen bemerkbar. ...

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